von Stumpwork zur Struktur-Stickerei

Stumpwork 

Stumpwork oder Raised Embroidery ist ein Stickstil, bei dem die genähten Figuren von der Oberfläche der Arbeit angehoben werden, um einen dreidimensionalen Effekt zu bilden.

Technik: Stiche können um Drahtstücke herum gearbeitet werden, um individuelle Formen wie Blätter, Insektenflügel oder Blütenblätter zu erstellen. Diese Form wird dann auf dem Hauptteil der Arbeit angewendet, indem das Hintergrundgewebe mit den Drähten durchbohrt wird, und diese auf der Rückseite festgenäht werden. Andere Formen können mit Polsterung unter den Stichen erstellt werden, in der Regel in Form von Filzschichten, die in immer kleineren Größen aufeinander genäht werden. Der Filz wird dann mit einer Schicht von Stickstichen bedeckt.

Geschichte: Die Reliefstickerei oder Hochstickerei hat ihren Ursprung in England, wo sie im 17. und 18. Jahrhundert aufkam. Zu der Zeit wurde sie hauptschlich auf Spiegelrahmen, Schachteln mit Fächern für Toiletten- oder Schreibutensilien oder sogar Geheimfächern, wie auch auf kleinen Taschen und Bildern gearbeitet.

Vor dieser Zeit beschränkte sich der Einsatz solcher erhöhten Sticktechniken meist auf kirchliche Kleidungsstücke. Im siebzehnten Jahrhundert wurde diese Sticktechnik einfach als erhöhte oder geprägte Arbeit bezeichnet. Sie wird erst seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts Stumpwork genannt.

Bezeichnung: Wieso diese Reliefstickerei so plötzlich in Mode kam und woher die Bezeichnung «Stumpwork» kommt, ist unerklärlich. Eine Erklärung besagt, dass die Reliefwirkung so zustande kam, dass hölzerne Formen (Modeln) mit Stichen bedeckt wurden und man sie deshalb «Embroidery on the Stump» Sticken auf dem Holzstück nannte. Eine andere Version führt die Bezeichnung darauf zurück, dass der Stickerei erstmalig auf Satin gedruckte Muster zugänglich waren, und aus der Bezeichnung «Embroidery on the Stamp+ (Stempel) allmählich Stumpwork wurde.

Motive: Traditionell zeigten Stumpworks eine Szene, die eine Burg, einen Hirsch, einen Löwen, Vögel, Schmetterlinge, Früchte, Blumen und mehrere Figuren enthalten könnte, die manchmal unter einem Baldachin positioniert sind. Die Könige und Königinnen der Stuart-Zeit (1603-1714) wurden oft als biblische oder mythische Geschichten dargestellt.

Im 18. Jahrhundert wurde gehöhte Stickerei mit Goldfäden, Perlen und Edelsteinen in Frankreich Mode, wo fast jedes Mädchen mit einer Nadel in der Hand geboren zu sein schien. Viele Teile wurden gesondert gestickt, in Falten gelegt oder gereiht und nur in der Taillenlinie aufgesetzt, so dass man die Röcke hochheben und darunter ein paar goldene Schuhe entdecken konnte. Schmetterlinge, die zwischen den Blumen flatterten, hatten zweierlei Flügel – ein Paar flach auf dem Satingrund aufgestickt, und ein Paar freistehende in Nadelspitze.

Die englischen Damen entwickelten in dieser neuen Technik ein ganz eigenes Konzept, ähnlich wie die Siedlerfrauen in Amerika, die etwa zur gleichen Zeit die englische Krüwellstickerei auf ihre Art umwandelten. Gärten, Musterbücher, Stichproben gaben Anregungen für neue Entwürfe, und Stumpwork wurde selbst beeinflusst von gestickten Bucheinbänden aus Kanevasstickerei – Applikationen auf Samt und von Nadelspitzen mit ihren frei (ohne Grundstoff) gearbeiteten Stichen.

Moderne Zeiten: Erhöhte Stickerei oder Stumpwork ist weiterhin beliebt bei Stickern in der Neuzeit. Im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert wurde sie verwendet, um Frauenkleidung zu verschönern. Heute führen erfahrene Sticker das Handwerk an Orten auf der ganzen Welt aus, um Objekte auf immer kreativere Weise zu schmücken.

Struktur-Stickerei

Im Gegensatz zu Stumpwork werden in der Struktur-Stickerei nebst Filzunterlagen und Draht-Motiven auch viele Details wie untergeschobene Knöpfe, Perlen, Holzstücke, Steine, usw. verwendet. Es gibt auch sehr viele dazu geeignete Stickstiche wie z.B. das franz. Knötchen, der Drizzlestich, der Bandkettenstich usw. Auch wenn ein einfacher Linienstich mit dickerem Material umwickelt wird, entsteht bereits eine Struktur. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt.

In einem Tagesworkshop kann diese Technik in den Grundzügen erlernt werden, ich freue mich auf Euch.

Wildröschen

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